DHS 1.2 - Chronic Disease Management im Zeitalter der Digitalisierung
 
Moderator
MMag. Dr. Clemens Rissbacher
Verwaltungsdirektor Universitätskliniken Innsbruck
Gesundheitssysteme sind historisch gewachsen und haben den Fokus auf die Akutversorgung. 75 % der Gesundheitsausgaben werden jedoch aktuell von chronischen PatientInnen verursacht. Berücksichtigt man die demographische Entwicklung, so wird in den nächsten Jahren die Behandlung von Chronikern vermehrt an Bedeutung gewinnen. In dieser Session wollen wir an Hand von konkreten Beispielen aufzeigen, wie eine moderne Gesundheitsversorgung für ChronikerInnen umgesetzt werden kann. Wir wollen aufzeigen, dass man sich von alten Bildern der Gesundheitsversorgung trennen muss. Die Digitalisierung wird wie in anderen Branchen auch, die „Geschäftsmodelle“ ändern. Neue IT Infrastrukturen ermöglichen die enge Zusammenarbeit von Institutionen und medizinischen Spezialisten an Hand von laufenden Echt-Daten von Patienten.
  Roundtable with:
Priv.-Doz. Dr. Sabine Perl
Präsidentin Österreichische Gesellschaft für Hypertensiologie
Bluthochdruck ist eines der größten Public Health-Probleme und wird immer noch unterschätzt, weil er lange keine merkbaren Symptome verursacht. In Europa sind 25 bis 30 Prozent der Bevölkerung betroffen, zirka die Hälfte weiß es nicht. Untersuchungen in Österreich zeigten, dass von den untersuchten Personen 51% einen Bluthochdruck hatten und selbst von denen die davon wussten und in Behandlung waren, erreichten 60% nicht eine entsprechende leitlinienkonforme Einstellung des Blutdruckes. Ursuchen sind einerseits die fehlende Einsicht der Patientinnen und Patienten ihre Medikamente so einzunehmen, wie das seitens des Arztes vorgesehen ist und andererseits auch an der Feinjustierung der Therapie und der engmaschigen Kontrolle der Blutdruckwerte. Trotz ausgereifter therapeutischer Möglichkeiten braucht es neue Formen von Versorgungsprogrammen, um den Herausforderungen diese Public-Health-Problems nachhaltig zu begegnen.
   
Prim. Dr. Gudrun Wolner-Strohmeyer
Chefärztin der BVAEB
Schon früh haben wir Wert daraufgelegt, neue Wege für unsere PatientInnen zu gehen und Innovationen zuzulassen. Die Telemedizin ist ein solcher innovativer Schritt in die Zukunft und gibt uns die Möglichkeit, dem Gesundheitswesen durch gelebte Prävention einen neuen Fokus zu geben. Konkrete Beispiele dazu sind unsere Pilotprojekte im Bereich Diabetes und Bluthochdruck. Bei Bluthochdruck braucht der Körper eine gewisse Zeit, bis er sich an einen niedrigeren Blutdruck gewöhnt hat. Der Lebensstil spielt dabei auch eine wichtige Rolle und die PatientInnen müßen lernen, wie Ernährung, Stress und Bewegung in Kombination mit einer medikamentösen Therapie sich individuell auf den eigenen Blutdruck auswirken. Dazu konnten wir in dem Pilotprojekt Bluthochdruck gemeinsam mit unseren Partnern in Tirol einen Behandlungspfad erarbeiten und eingebettet in das interdisziplinäre Versorgungsnetzwerk HerzMobil Tirol eine Pilotierung zur Optimierung der medikamentösen Therapie, Verbesserung des Lebensstils und damit Vermeidung von bluthochdruckbedingten Folgeerkrankungen starten. Diese Erfolge bestärken uns darin, die Digitalisierung gemeinsam mit unseren Partnern im Gesundheitswesen noch stärker zu forcieren.
   
Dr. Martin Skoumal
Chefarzt der PVA
Telerehabilitation ist eine universell einsetzbare Möglichkeit das medizinische Angebot der PV im Bereich Rehabilitation und Gesundheitsvorsorge zu erweitern, längerfristige Rehabilitationserfolge durch Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien (computergestützte Telerehabilitationssysteme) zu erzielen und  die Ergebnisse zu dokumentieren. Eine Telerehabilitation hat nicht die Aufgabe, eine stationäre oder ambulante Phase 2 Rehabilitation zu ersetzen, sie kann als Alternative zur Phase 3 im Anschluss an eine  Phase 2 Rehabilitation in Betracht kommen, um die erreichten Rehabilitationserfolge nachhaltig zu festigen. Die Rehabilitand*innen werden telemedizinisch wie zum Beispiel im Herz Mobil Tirol unterstützt, um das in der Rehabilitation Erlernte in den Alltag übertragen, stabilisieren und weiterzuentwickeln.  Damit können Rehabilitand*innen die positiven Effekte einer medizinischen Rehabilitation nach Reha-Ende im Alltag langfristig verankern, indem sie Selbstverantwortung stärken und die berufliche und soziale Teilhabe sowie die Wiedereingliederung in das Alltags- und Berufsleben vorantreiben. Weitere Vorteile einer Telerehabilitation sind die Zeitersparnis für Rehabilitand*innen durch fehlende Anreise, eine Kostenreduktion durch Verbesserung der Nachhaltigkeit und längerfristige Umsetzung gesundheitsfördernder Maßnahmen sowie die Versorgung von Rehabilitand*innen in Regionen, in denen aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte kein ambulantes Rehabilitationszentrum erreichbar ist.